Über Bienchen und Bauern

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hat das Novum erreicht. Das ist gut so! Der breite Zuspruch zeigt, dass das Thema brennt und die Staatsregierung da bisher versagt hat. Gegenwehr kam vor allem von den Bauern. Die muss man nun mit einbinden – nicht unbedingt aber den großindustriellen Bauernverband.

 

Zum erfolgreichen Volksbegehren "Rettet die Bienen!" von Christian Reichl

Es ist eine gute Sache, wenn die Menschen in Bayern einen demokratischen Weg der Willensbildung nutzen und so die öffentliche Debatte in eine Richtung für mehr Artenschutz lenken. Viele Punkte im Volksbegehren bergen durchaus Potential, um z.B. Lebensraum für Niederwild zu erhalten und zu schaffen. Und natürlich würde auch, sollten die Maßnahmen tatsächlich so umgesetzt werden, Insekten als wichtiger Teil unserer Flora und Fauna ihren Lebensraum erhalten.

 

Doch man muss auch die Ängste besonders der kleinen und mittelständischen Landwirte nachvollziehen. Viele Flächen haben durch die bereits bestehenden Umweltsschutzauflagen schon jetzt massiv an Wert verloren und sind nicht mehr vernünftig zu bewirtschaften. Und auch wenn ein großer Teil der Fläche in Bayern landwirtschaftlich genutzt wird, haben viele Landwirte das Gefühl, dass die Kritik ständig an sie persönlich herangetragen wird. Es muss daher deutlich werden, dass das System zu immer mehr industrieller Landwirtschaft zu kritisieren ist, und nicht der einzelne Landwirt, der einfach seinen Lebensunterhalt verdienen muss und seinen seit Generationen in Familienbesitz befindlichen Hof bewirtschaftet. Bei den so vorherrschenden Ängsten der Landwirte noch mehr Auflagen erfüllen zu müssen, haben wirtschaftsnahe Verbände ein leichtes Spiel gegen die geforderten Maßnahmen Stimmung zu machen. Denn der Natur ihren Platz zu lassen, bedeutet auch immer weniger Ertrag und somit Profit.

 

Ob das Volksbegehren so umgesetzt wird, wie es gefordert oder gar von manchen erhofft wird, bleibt fraglich. Die bayerische Regierung hat bereits vor Ausgang der Abstimmung angekündigt, Maßnahmen für mehr Naturschutz umzusetzen. Somit hat das Begehren schon jetzt einen großen Erfolg erzielt. Doch letztendlich trägt auch jeder einzelne Bürger Verantwortung. So reicht für mehr Artenschutz nicht nur eine Unterschrift aus. So kann auch der heimische Garten in ein Paradies für Vögel und Insekten angelegt werden. Doch auch beim täglichen Einkauf muss daran gedacht werden, dass nachhaltig erzeugte Nahrungsmittel besser für die Umwelt sind, als in die in industriellen Großbetrieben erzeugte.

 

Ich wünsche den Insekten und Tieren in unserem schönen Bayern viel Glück für die Zukunft und hoffe, dass sich Naturschützer und Landwirte in Zukunft nicht mit einem grundsätzlichen Misstrauen einander begegnen. Denn wenn man an einen Strang zieht und Probleme gemeinsam löst kann man nicht nur gemeinsame Erfolge erzielen, sondern auch ein grundsätzliches Verständnis füreinander entwickeln.


Christian Reichl

Landwirtschafts-Korrespondent der Jusos Nordoberpfalz

Vorsitzender der SPD Altenstadt, Mitglied im AK Landwirtschaft des SPD Kreisverbandes NEW

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